Bist du #hyperemphatisch?
Bist du #hyperemphatisch? Weißt es nur (noch) nicht?
Auch Menschen, die dir kühl, faktenbasiert, rational, vielleicht sogar rüde erscheinen, können hyperemphatisch sein. Denn die Sicht auf sie und die Vorgänge in ihnen sind nicht deckungsgleich.
Zum Verstehen müssen wir mit der #Empathie beginnen. Ein wichtiges Thema in autistischen Communities. Denn uns wird sie regelmäßig abgesprochen.
Während viele durch Hyperempathie zerrissen werden, unterstellt man uns, wir seien unempathisch. In Filmen und Geschichten „beweisen“ autistische Protagonisten regelmäßig, dass sie Empathie nicht können.
Und doch zeigen Studien, dass die Mehrzahl der Autist*innen hyperemphatisch ist! (Forschung zu weiteren Neurodivergenzen ist dringend notwendig.)
Empathie ist ein multidimensionales Konstrukt. Es gibt nicht die eine, sondern unterschiedliche "Varianten" und sie werden definiert… von neuronormativen Menschen auf Basis neuronormativer Vorstellungen.
So meint emotionale Empathie das tatsächliche Mitfühlen mit anderen, während Kognitive, die Fähigkeit umfasst, intellektuell zu erfassen, was das Gegenüber denkt. Und hier wird es für autistische Menschen tricky.
Milton hat bereits 2012 gezeigt, dass sich autistische und nicht autistische Menschen einander erklären müssen, um sich zu verstehen.
Und wie wird kognitive Empathie gemessen? Daran, wie wir #alle Neuronormative (aka Neurotypisch)....
Das ist so gerecht, wie bei einem Test auf Sprachfähigkeit, Menschen, die zwei unterschiedliche Sprachen sprechen, einen Text in nur einer der beiden Sprachen vorzulegen ;-) und daraus Schlüsse ziehen zu wollen.
Bei der emotionalen Empathie, dem bewussten Mitempfinden, kommen wir auf gleiche Werte. Studien zeigen übrigens, dass Autist*innen signifikant altruistischer und häufiger bereit sind, ihr Eigentum mit Fremden zu teilen und ihnen zu helfen.
Hyper-Empathie, dem Zuviel, das die eigen Gesundheit beschädigt, ist "an emotional response so powerful and uncontrollable that it causes distress."
Du betrittst einen Raum und nimmst alles auf, jede Regung der anderen. Du spürst das Verlangen, dass es ihnen gut geht, alles stürmt auf dich ein.
Dieses Zuviel kann dazu führen, dass man die eigenen emotionalen Grenzen überschreitet. Eigenen Bedürfnisse werden nicht mehr als wichtig erkannt, weil alles von den Gefühlen und Interaktionen anderer belegt ist.
Erzogen, sich anzupassen, den eigenen Körper nicht wertzuschätzen "stell dich nicht so an" kann diese Empathie wie ein Tsunami über einen hinwegrollen.
Da ich selbst hyperemphatisch war, weiß ich, was es bedeutet, diese extreme Empathie zu kanalisieren. Heute erkenne ich sie frühzeitig und kann sie kognitiv bremsen und meine Gesundheit als wertvoll (aner)kennen und wertschätzen.
Doch dazu muss einem erst einmal bewusst werden, dass es sie gibt und welchen Schaden sie anrichten kann. | 52 Kommentare auf LinkedIn